BEL2 nachgefragt! Kafka’s Messetagebuch - Fiberdays 2026

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Gerhard Kafka arbeitet als freier Fachjournalist für Telekommunikation in Egling bei München.

Ende März 2026 waren die fiberdays – die Digital- und Glasfasermesse – an zwei Tagen wieder Treffpunkt der Glasfaserexperten. In Halle 3 der Messe Frankfurt haben die 318 Aussteller auf 18.000 Quadratmetern die über 11.300 Teilnehmer über aktuelle Entwicklungen bei den Glasfasernetzen informiert. Der Veranstalter Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) wählte diesmal das Motto „Gemeinsam Tempo machen. Resilient. Nachhaltig. Zukunftssicher.“ und feierte gleichzeitig 15 Jahre fiberdays. Aus diesem Anlass möchte ich an dieser Stelle einen kurzen Rückblick einfügen:

 

Hier also meine Erinnerung: Anfang der 2000-er Jahre existierte hier in Deutschland keine dedizierte Fachmesse für den Themenbereich Breitband und Internet. Nach langer Diskussion und vielen Ideen auch meinerseits wurde im Rahmen des Gemeinschaftsseminars die erste Messe für Glasfasertechnik in Berlin organisiert. Sie sollte den Namen BELTEC tragen. Doch da war die NürnbergMesse GmbH dagegen, weil sie bereits Veranstalterin und Markeninhaberin der Messe „ELTEC“ gewesen ist. Dr. Michael Siebert ließ sich jedoch nicht beirren und richtete im Juni 2010 die erste Kongressmesse für Glasfasertechnik in Berlin unter dem Namen „BEL2“ (Breitband und Energieeffizienz = Lichtwellenleiter) aus. Sie wurde im weiteren Verlauf 2014 als BEL2 Spezial in München durchgeführt.

Diese Veranstaltung – eine erfolgreiche Kombination aus Ausstellung, Plenum und Fachmodulen – hatte zwei wichtige ITK-Trends miteinander verbunden: Breitband und Energiewende. Und 2015 erfolgte eine Wiederholung in Oberhausen a.d. Donau, wo das erste Glasfasernetz in Bayern in Betrieb genommen wurde. 2016 bündeln Gemeinschaftsseminar und BREKO erstmalig ihre Kräfte, um Deutschlands größte Glasfasermesse ins Leben zu rufen. Aus BREKO Breitbandmesse und BEL2, Fach- und Publikumsmesse für Glasfasertechnik, entstand die BREKO Glasfasermesse 2016 - powered by BEL2, die heute als fiberdays bekannt ist.

 

Doch zurück in die Gegenwart: BREKO-Präsident Norbert Westfal verwies bei der Eröffnung der fiberdays 26 auf die Wichtigkeit des Wettbewerbs: „Ein schneller Glasfaserausbau in Deutschland gelingt nur, wenn alle investierenden Unternehmen sich auf faire und stabile Rahmenbedingungen verlassen können.“ Westfal betonte auch die wichtigen Themen, die hier auf den fiberdays diskutiert werden: Der Digital Network Act (DNA) der EU, die Migration von Kupfer zu Glas, die neue TKG-Novelle, eine faire Regulierung durch die Bundesnetzagentur und Open Access, der leider nicht voll umfänglich genutzt werde. 2026 sei ein Jahr regulatorischer Grundsatzentscheidungen sagte BREKO-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers und erklärte: „Derzeit sind so viele regulatorische Neuerungen in Arbeit wie seit der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes nicht mehr. All diese Vorhaben zeigen in ihrer Dichte auch die Versäumnisse von Politik und Regulierung der vergangenen Jahre. Jetzt müssen zügig die richtigen Entscheidungen getroffen werden: Echte Investitionsanreize und eine klare Absage an Bestrebungen nach einer Re-Monopolisierung, um den Digitalstandort Deutschland und die Wettbewerbsfähigkeit Europas nachhaltig zu stärken.“

Anschließend unterstrich BREKO-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers den Stellen wert des Wettbewerbs und zitierte aus einer Umfrage im März 2026 unter 2500 Personen von Civey. 40 % der privaten Anwender finden es sehr gut, dass es viele Internetanbieter gibt. Weitere 25 % finden es gut. Mehr als 50 % der Unternehmen profitieren von den niedrigen Preisen für Dienste. Albers benannte auch die gesamten Investitionen in Breitband für das Jahr 2024 mit 15,3 Mrd., wobei rund 10 Mrd. auf die Wettbewerber der Telekom entfielen. Als wichtigen Trend bezeichnete Albers den Glasfaserausbau in der Netzebene 4 (NE4) und empfahl dazu den Besuch des FTTH Inhouse Labs, wo nachhaltige Glasfaserausbau-Lösungen für Mehrfamilienhäuser gezeigt wurden.

 

Anlässlich der Messeeröffnung betont die hessische Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus, die auch diesmal die Schirmherrschaft für die fiberdays übernommen hatte, die Wichtigkeit der Zusammenarbeit von Wirtschaft und Politik: „Die fiberdays zählen zu den bedeutendsten Veranstaltungen in der Telekommunikationsbranche und zeigen, welche Schlüsselrolle Verbände wie der BREKO spielen.“ Sinemus betonte, dass leistungsfähige Netzwerke nicht nur Bestandteil der Daseinsvorsorge seien, sondern auch den Rahmen für die digitale Wirtschaft bildeten und Frankfurt/M. als Standort für Rechenzentren weltweit führend sei. Hier werde auch der weltweit datenverkehrsstärkste Internetknoten DE-CIX betrieben, an dem kürzlich eine Spitzenbelastung von 25 Tbit/s gemessen wurde. Sie forderte zudem die Unternehmen auf auch am Wettbewerb aktiv teilzunehmen, denn wer den Wettbewerb nicht mitmache, der ginge verloren.

 

Zur Eröffnung der fiberdays haben des Weiteren die folgenden Redner beigetragen: Thorsten Fellmann, Geschäftsführer GVG Glasfaser – ein Gold-Sponsor der Veranstaltung – prangte nochmals das Thema Überbau an und ermahnte die Netzbetreiber ehrlich zu ihren Investoren zu sein, denn homes passed alleine würden noch keine Einnahmen generieren. Johannes Pruchnow, CEO gabocom empfahl den Besuch der ICX (International Carrier Exchange) mit dem Fokus auf die Themen FTTH, Rechenzentren, Satellitenkommunikation, Investoren und digitale Souveränität. Und Gabocom habe nun auch Produkte für FTTR ins Portfolio mit aufgenommen. Alexander Rabe, Geschäftsführer eco vermutete, dass hohe Strompreise und langwierige Baugenehmigungen den Glasfaserausbau merklich behindern und erwähnte, dass DE-CIX ein Tochterunternehmen des eco Verbandes sei. Abschließend empfahl Tim Brauckmüller, Geschäftsführer aconium einen Besuch des KI-Forums, wo praktische Anwendungsbeispiele gezeigt würden.

 

Für die Besucher gab es neben den besonderen Anziehungspunkten FTTH Inhouse Lab und Fibercup eine reiche Auswahl an Veranstaltungsorten mit den jeweils relevanten Themen: eco Datacenter Plaza, Gigabit-Campus, Internatioanl Carrier Exchange (ICX), KI-Forum, kommunaler Marktplatz, Media Space, NE4-Forum, Open Space Bühne OST und WEST sowie drei weitere Workshopräume. Ferner wurden den Besuchern spezielle Themenrundgänge zur Auswahl angeboten: Netzwerkmanagement und Cyber Security, Open Access, Passivtechnik, moderner Tiefbau, Rechenzentren, Aktivtechnik sowie Planung und Dokumentation. Auch für Journalisten hatte der BREKO Themenrundgänge mit einer Dauer von etwa 1 ½ Stunden organisiert. Ich habe mich für das Thema „Netzebene 4“ entschieden und folgende ausgewählten Aussteller besucht: KSKDigital, Axians, Genexis, Gabo Systemtechnik, Netzkontor, Commscope, Esri Deutschland, NetPeppers, Emtelle, flabb-planung, Netceed, Telenco, Globalcarrier und Folsgaard.

 

Bei meinem persönlichen Messerundgang fiel mir auf, dass der einstige Marktführer Deutsche Glasfaser nicht präsent war. Der hochverschuldete und durch Massenentlassungen gebeutelte Netzwerkbetreiber hat wohl mit „homes passed“ aufs falsche Pferd gesetzt. Und weil die Investoren kalte Füße bekommen haben mussten die Aktivitäten wohl eingestellt werden. Ist dies ein Anzeichen dafür, dass sich die gesamte Branche gewandelt hat? Wolfgang Jäger, Geschäftsführer Glasfaser-ABC GmbH und Experte NE4-Ausbau verdeutlichte mit seiner Kritik die veränderte Situation: Was man auf den FiberDays 2026 gespürt hat: Weniger Energie. Weniger Überzeugung. Mehr Realität. Die Branche wirkt wie jemand, der weiß, dass das Spiel verloren ist – aber trotzdem weiterspielt, weil noch keiner den Abpfiff hören will. Die Party ist vorbei. Und viele haben es noch nicht verstanden. Die Phase von „wir bauen einfach mal“ ist endgültig vorbei. Der NE3-Ausbau auf Pump, Hoffnung auf schnelle Skalierung und das Prinzip „erst mal bauen, dann monetarisieren“ – ist gescheitert. Jäger fasste die unbequeme Wahrheit wie folgt zusammen:

 

  • Ein erheblicher Teil der Geschäftsmodelle funktioniert schlicht nicht mehr.

  • Homes Passed sind kein Geschäftsmodell – sie sind eine Wette, die oft verloren wurde.

  • Verkaufsmandate ohne Käufer sind kein Markt – sie sind ein Alarmsignal.

  • Kooperationen sind häufig nur kaschierte Ratlosigkeit.

  • Take-Up-Rates stagnieren nicht – sie entlarven falsche Annahmen.

  • Und ja: Manche BWAs (Betriebswirtschaftliche Auswertungen) waren von Anfang an nicht belastbar.

  • Das Investorenvertrauen? Nicht angeschlagen – verbrannt.

 

Jäger hat auch eine Antwort auf die Frage: Wo entsteht eigentlich echter, nachhaltiger Cashflow? Sicher nicht dort, wo nur gebaut wurde. Sondern dort, wo Infrastruktur auch genutzt und monetarisiert wird. Deshalb ist die NE4 kein Nebenschauplatz. Die NE4 ist der einzige Ort, an dem aus Glasfaser ein Geschäftsmodell wird. Er prophezeit: Wer sich ernsthaft mit wirtschaftlich tragfähigen NE4-Modellen beschäftigt, wird in den nächsten Jahren die relevanten Teile des Marktes bestimmen. Ich füge noch dazu: Auch die NE5 könnte sich hierzulande zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell entwickeln. Stichwort FTTR (Fiber-to-the-Room). In Asien ist dieser Trend bereits Mainstream und in China alleine werden täglich 70.000 Wohnungen verglast. Dies und viele weitere Details zu FTTR können in meinem Buch „FTTR Glasfaserbasierte Wohnungsnetze Netzebene 5 (NE5)“, gemeinsam mit meinem Kollegen Dr. Andreas Bluschke verfasst und bei Dr. M. Siebert GmbH verlegt nachgelesen werden.

 

Die nächste Kongressmesse findet am 17. und 18. Februar 2027 wieder in der Messe Frankfurt statt.